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Regisseur Robert Wilson und die neue Hochkultur

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 02.08.2025, 18:53 Uhr
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Wien [ENA] Die Kunstwelt trauert um den soeben verstorbenen US-amerikanischen Theaterregisseur, Bühnenbildner und Architekten Robert Wilson. Damit geht vielleicht auch langsam eine künstlerische Aera zuende, die dieser avantgardistische Universalkünstler schon seit 1966 prägte, als er mit seinen Theaterperformances auf sich aufmerksam machte und damit vielleicht zu verstehen gab, dass Kunst ganz anders gedacht weder müsste.

Um die Ansprüche einer neuen "Hochkultur" zu befriedigen, die Kunst zunehmend in ästhetisch außergewöhnlichen Häppchen konsumieren wollte, die durchaus den veränderten Bedürfnissen nach neuen Formen des Konsums entsprach. Kein Wunder also, dass sein Durchbruch 1970 mit der siebenstündigen silent Oper "Deafman Glance" kam, die auch in Europa gastierte und sozusagen im Publikum die Spreu vom Weizen trennte, die ewig Gestrigen zurückließ, während die "Schlauen" auf den Zug der Moderne aufsprangen und dabei Robert Wilson als neuen Guru wahrnahmen, der Bewegung in das Althergebrachte zu bringen versprach. Sehr bald durfte er auch wirklich alle seine künstlerischen Vorstellungen umsetzen und wurde zunehmend ein international gefragter Künstler.

1976 inszenierte er in Avignon, Frankreich die Oper "Einstein on the Beach" mit der Musik von Philip Glass, choreographiert und getanzt von Lucinda Childs. Für seine radikale Theaterästhetik arbeitete er auch zusammen mit Rockstars oder Modeschöpfer wie Kenzo oder Issey Miyake und integrierte so ziemlich jede Kunstform in seine Inszenierungen als großes Gesamtkunstwerk, wobei er aber auf eine gewisse Statik bewegter Bilder setzte, die wie Bühnengemälde angelegt waren. Dabei wird das Menschliche zunehmend verfremdet und abstrakt und soll vielleicht mit einer überspitzten Ästhetik zu mehr Perfektion anfeuern, einem Traum, den die Hochkultur immer wieder zu verfallen scheint.

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