Samstag, 30.05.2026 12:48 Uhr

Eine Spritztour in die Lombardai

Verantwortlicher Autor: Prof.Dr. Peter Schroeder Bad Aibling/Mailand, 09.07.2025, 17:41 Uhr
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Bad Aibling/Mailand [ENA] Como, Mailand, keine Frage, attraktive Locations. Museen, Stadtbummel, See oder Res-taurants sind immer Grund genug, die Reisetasche in den Kofferraum zu legen und zu starten. Die Deutsche Bahn hat kürzlich angekündigt, ab Dezember 2026 eine Direktverbindung von München nach Mailand mit einem italienischen Hochgeschwindigkeitszug, dem Frecciarossa zu starten. Nun gut, die Hoffnung stirbt zuletzt und die Erfahrungen

mit dem französischen TGV durchgehend von München nach Paris diesseits der Grenze sind eher gewesen, dass allein die Bahnhofsuhr ihre Durchschnittgeschwindigkeit ein-hält und der Zug… Der Frecciarossa soll dann sechseinhalb Stunde brauchen. Das schafft ein Lotus auch und bietet Fahrvergnügen, was ehrlicherweise mal eine Werbung für den Opel Olympia von 1968 war. Das Fahrvergnügen dauerte zunächst bis Lugano, wo ein Gewitter zu einem außerplanmäßigen Halt kurz vor dem Ziel zwang. Ein(e) Lotus (Eli-se) ist nun nicht eine dieser automobilen Primadonnen, wo sich beim ersten Regentrop-fen das Verdeck schließt, vorausgesetzt, die Geschwindigkeit liegt unter 50km/h, was auf der Autobahn im Tessin eher strafbar ist. Außerdem weiß der erfahrene

Automobilist, dass es ab 60 km/h nicht mehr ins offene Auto regnet. Immerhin liessen die Grenzer die feuchte Fuhre angesichts des Wetters passieren, ohne zu fragen, ob im Auto wirklich die Eigentümer sassen (ein früheres Erlebnis) und bis Como war alles wie-der trocken. Das gewählte Hotel, das komfortables 3* „Tre Re“ in der Altstadt liegt genau zwischen den Bahnstationen Como „San Giovanni“ und „Lago“. Das Ticket von Treniatalia kostet 15,80€/1ª CLASSE pro Person nach Mailand und zurück. Ein Vergleich zur Deutschen Bahn, respektive der Bayerischen-Regio-Bahn, wie weit man im DB-Bereich mit 15,80€ kommt: in der ersten Klasse wahrscheinlich gerade vom Aiblinger Kurpark nach Rosen-heim, in der zweiten nicht mal bis München,

wobei die Distanz etwa gleich weit ist. Ein schöner Spaziergang von Milano Centrale zum Palazzo Reale, „nel cuore della città“. Zum pranzo ins „Camparino“, nicht die Brutstätte des Campari, aber immerhin 1925 in der Galeria Vittorio Emanuele II von Gaspare Campari gegründet. Kein Negroni, denn der wurde a) in Florenz im Caffè Casoni (heute Caffè Giacosa) in der Via de’ Tornabuoni „er-funden“ sowie b) der Tageszeit angemessen hinter den Americano gestellt, weil der den Gin-Anteil durch Soda ersetzt. Ein noch analog orientierter Freund bat um eine Postkarte aus Mailand/Como. Für die Jüngeren: eine Postkarte ist ein ausgedrucktes Foto mit Motiv auf der Vorderseite und einem Adress- und Schreibfeld auf der Rückseite. Dazu benötigt man noch

ein Schreibgerät, eine Briefmarke und einen Postkasten. Letzteren zu finden, erfordert in Como einen ausgedehnten Stadtbummel. Für Nachahmer sei das Ufficio Postale Poste Italiane in der Via Tolomeo Gallio, 6 in der Nähe des Bahnhofs „San Giovanni“ empfohlen. Ein paar Schritte weiter ist dann der Negroni (es ist jetzt schon später Nachmittag) und der Aperol-Spritz (gehört auch zur Campari-Gruppe) erstklassig zum Aperitivo und schlägt vor, jegliche Nachahmung zu Hause zu unterlassen. Auf dem Stadtbummel findet sich wieder das „Il Pinzimonio“ ein schönes Kellerrestau-rant mit attraktiver Karte. Dann die „Locanda Barbarossa“, entfernt vom touristisch ori-entierten Seeufer, wo trotz senza prenotazione einen Tisch frei war.

Man kann dort ein in Scheiben geschnittenes „Black Angus USA Prime alla Piastra“ wäh-len, mit dem Hinweis auf „Allergeni: rif. 7 plus consultare la tabella allergeni presente nel menu“. Man muss die Karte nicht auf Allergeni: rif. 7 konsultieren, ob damit wegen des Ursprungs des Steaks auf eine Allergie gegen den aktuellen US-amerikanischen Präsi-denten hingewiesen wird. Stattdessen bietet sich ein „Nodino di Vitello alla Piastra con Songino e Pomodorini“. Für nicht Lateiner oder Vegetarier: grob gesehen, handelt es sich im Vergleich zum traditionell aus dem Chianina Rind zubereiteten Bistecca alla Fiorenti-na um eine Senioren-Portion eines T-bone-Steaks altersentsprechend eben.

Für die Rückfahrt bietet sich die die Strecke durchs Oberengadin an. Der Comer-See lässt sich zügig auf der untertunnelten Ost-Seite passieren. Die Strecke entlang des Westufers ist schöner. Man trifft eventuell auf Familie Clooney an einem Zebra-Streifen auf dem Weg zum Concorso d´Eleganza in Cernebbio, wie die FAZ am 11.Mai unter der Überschrift „Wo steckt George“ schrieb und passiert das Örtchen Cadenabbia, wo Konrad Adenauer Boccia spielte und von wo er zweimal im Jahr die Bundesrepublik regierte – so heisst es jedenfalls. Bald ist Chiavenna erreicht, die italienisch-schweizerische Grenze und der Maloja-Pass hinauf ins Oberengadin. Grund für die Strecke ist die Engadiner Torte aus der „Kondito-rei Kochendörfer“ in Via Maistra in

Pontresina, die einen geschmacklichen Qualitätsvorsprung vor der der „Conditorei Han-selmann“ in St.Moritz hat. Uns allen ist der Begriff „Tote Hose“ geläufig. In Bezug auf Pontresina in der Zwischensai-son ist „Tote Hose“ ein Ausdruck von Überbevölkerung. Auch das „Grond“ hat geschlos-sen, das aber bei früheren Aufenthalten nicht in die Tortenauswahl Eingang gefunden hatte. Schließlich, die Puntraschignots sind eben doch gewohnt, zum Frühstück fri-sches Brot zu haben, lieferte „Café Bun Di“ die Torte.

Der Rest der Reise war ein Dahingleiten im Sinne des legendären britischen Motorsport-Journalisten Dennis S. Jenkinson, wenn er in “The Racing Driver - The Theory and Prac-tice of Fast Driving” schreibt: “If only we could all realise that speed is essentially a rela-tive property, mastering the art of driving would be simpler….Speed itself, relative road speed that is, is really of secondary importance, and if the basic art of driving is perfected a natural increase in road speed will come automatically, with much greater ease and far greater safety than before. Dem ist wenig hinzuzufügen.

Der Autor legt Wert auf die Feststellung, dass der Lotus sein Daily Driver ist und sämtliche Reisekosten von ihm selbst bestritten worden sind.

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